Kinder-MRT

Seit Herbst 2015 werden MRT-Untersuchungen in Dortmund zum Kinderspiel
Eine MRT-Untersuchung kann für Kinder und Eltern  eine schwere Belastung sein. Zum einen ist da die Sorge vor einer Erkrankung, die noch nicht genau geklärt ist, zum anderen ist die Untersuchung selbst in einer engen, lauten Röhre nicht angenehm, auch wenn die Untersuchung selbst nicht gefährlich ist. Außerdem ist es für viele Kinder sehr schwierig, bei MRT-Untersuchungen ruhig liegen zu bleiben. Daher verwackeln die Aufnahmen häufig – ähnlich wie bei einem Foto mit sehr langer Belichtungszeit. Daher werden oft Beruhigungsmittel und Narkosen notwendig – mit erheblichen Belastungen für den jungen Körper.

Ziel: Weniger belastende Untersuchung für Kinder
Ziel des Westfälischen Kinderzentrums für ein neues „Kinder-MRT“ war es von Anfang an, diese psychischen sowie körperlichen Belastungen für das Kind zu verringern – ergänzt durch eine angenehme und lärmreduzierte Untersuchungstechnik sowie durch gezielte Ablenkung. Dabei soll der ganze Untersuchungsweg von der Vorbereitung bis zum Abschluss der Untersuchung aus der Perspektive der Kinder und Familien gestaltet werden. Auch die Eltern sollten entlastet werden, denn sie müssen sich keine Sorgen mehr wegen der Narkosen machen; sie können  ihr Kind bei der Untersuchung begleiten und mit ihm in die Erlebniswelt des Kinder-MRTs eintauchen. Erste vergleichbare Projekte sind in den letzten Jahren bereits in einzelnen amerikanischen Kliniken realisiert worden. Das in Dortmund realisierte umfassende Konzept von pädagogischer Vorbereitung, Raumgestaltung und innovativen Aufnahmetechniken ist aber zumindest europaweit einzigartig.

Das Besondere am Kinder-MRT in Dortmund
Das Dortmunder „Kinder-MRT“ ist nicht nur durch Videoprojektionen phantasievoll gestaltet sondern auch  äußerst geräuscharm. Einige Aufnahmen („Sequenzen“) sind sogar kaum zu hören, und durch technische Entwicklungen kommen fortlaufend neue Flüstersequenzen hinzu. Dieses trägt bereits wesentlich dazu bei, dass Kinder ihre Angst vor dem Gerät verlieren. Ein besonderes „Bonbon“ ist die Möglichkeit, während der Aufnahme über einen Videoprojektion Filme schauen zu können.
Für die kranken Kinder kann ab sofort nicht nur eine sichere Diagnose sondern auch eine optimale Abstimmung für eine evtl. erforderliche Therapie erfolgen. Der MRT selbst ist ein Gerät der neusten Bauart (Aera 1,5-Tesla, Fa. Siemens), welcher mit besonders leisen Untersuchungssequenzen ausgestattet ist. Die Untersuchungsröhre ist mit einem Durchmesser von 70 cm besonders weit, so dass sich auch ein Elternteil während der Untersuchung zu dem Kind dazulegen kann.

Die Vorbereitung der kleinen Patienten und ihre Begleitung für die MRT-Untersuchung erfolgt kindgerecht und phantasievoll. Für diesen Zweck wurde in der Kinderklinik ein Raum mit einem Übe-MRT eingerichtet. Hier können die Kinder mit ihren Eltern mit pädagogischer Begleitung ohne Zeitdruck die Untersuchung an einem maßstabgetreuen Modell üben. Auch durch diese gute Vorbereitung wird die Untersuchung für die Kinder so angenehm und stressfrei wie möglich gestaltet.

Um den Kindern vor der Untersuchung die Angst vor dem großen MRT Gerät zu nehmen, wird der gesamte Untersuchungsraum durch Videoprojektionen in eine Blumenwiese, einen Strand, ein Aquarium, einen Zoo oder den Weltraum verwandelt. Die Kinder können sich die Filmszenen vor der Untersuchung im Vorbereitungsraum an einem großen Bildschirm ansehen und ihr Lieblingsmotiv auswählen. Während der Untersuchung selbst können sich die Kinder Filme über ein Spiegelsystem an der Rückwand hinter dem MRT ansehen. Die Spiegel haben den zusätzlichen Effekt, dass die Kinder nicht auf die Röhre blicken sondern aus ihr herausschauen. So haben sie nicht das Gefühl, in einem engen Raum zu liegen und beim Einfahren in das MRT öffnet sich der Horizont. Zusätzlich werden die Filme durch Klänge und Geräusche über ein Lautsprechersystem begleitet. Damit wird die Aufmerksamkeit der Kinder so stark gebunden, dass auch bei kleineren Kindern Narkosen überflüssig werden. Die körperliche und psychische Belastung wird minimiert.
Die weltweit einmaligen Videoprojektionen wurden in Zusammenarbeit mit dem Dortmunder Filmregisseur Prof. Winkelmann realisiert, der ein Spezialist für Mediainstallationen und Projektion, wie beispielsweise dem „Dortmunder U“, ist.

Herbst 2015: Inbetriebnahme des Kinder-MRT
Das Investitionsvolumen von rd. 1,9 Mio. € für dieses gemeinsame Projekt des Westfälischen Kinderzentrums und der Klinik für Radiologie und Neuroradiologie am Klinikum Dortmund zur angst- und stressreduzierten Untersuchung von Kindern wurde durch ein äußerst erfolgreiches Fundraising (Frau Dr. Martina Klein, Klinikum Dortmund) in „nur“ 15 Monaten „eingeworben“. Zusätzlich zu den individuellen Spendengeldern (u. a. auch Spenden des ELTERNTREFF leukämie- und tumorerkrankter Kinder e.V., Dortmund) konnte auch eine finanzielle Förderung durch das Land Nordrhein-Westfalen erreicht werden.

Anfang November 2015 wurde der offizielle „Startschuss“ für dieses europaweit einmalige Projekt durch die Gesundheitsministerin des Landes NRW, Barbara Steffens, gegeben.

Ausgezeichnet wurde das Projekt „Kinder-MRT“ in 2015 mit dem „Deutschen Fundraisingpreis“ und dem  „Deutschen Klinikaward“.

Erste Erfolge: Weniger Anästhesieeingriffe
Seit Herbst 2015 sind so nun schon viele Kinder in der Dortmunder Kinderklinik ganz ohne Narkose im Kernspin-Tomographen (MRT) untersucht werden. Die aktuellen Zahlen belegen in beeindruckender Weise den enormen Rückgang an „notwendigen“ Anästhesie-Fällen – so wurden in ca. 80% Fällen keine Narkose und / oder tiefe Sedierung durchgeführt.

Und: Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet/evaluiert. Eine Doktorandin der Universität Düsseldorf arbeitet hieran. Diese Daten werden nach Abschluss des Projektes veröffentlicht. Anhand dieser Auswertungen soll die Arbeit mit diesem Kinder-MRT in Dortmund weiter verbessert werden.

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